Weltmeisterschaften der U20 in Kolumbien - Tag 2
  04.08.2022 •     HLV , Leistungssport


Deutsche 4x400 Meter Mixed-Staffel läuft im Finale auf den sechsten Platz - Lasse Schmitt (Königsteiner LV) ersetzt seinen erkrankten Teamkollegen Okai Charles - Hammerwerfer Kai Hurych bleibt im Vorkampf hängen

 

Das hatte sich Okai Charles (Königsteiner LV) sicherlich ganz anders vorgestellt. Bereits am Tag der Vorläufe mit der deutschen „Mixed“ Staffel (2 Männer, 2 Frauen) bei den U20 Weltmeisterschaften in Cali (Kolumbien) hatte der Langsprinter aus dem Taunus über Kopfschmerzen geklagt. Trotzdem lieferte Charles auf seinem Teilstück einen bärenstarken Auftritt ab und hatte maßgeblichen Anteil am neuen deutschen Rekord (3:22,41 Minuten) sowie dem Einzug ins WM-Finale. Das fand dann aber ohne den Bundeskaderathleten aus der Burgstadt statt. 

Was war geschehen. Bei einer Untersuchung wurde der KLVler positiv auf Corona getestet und musste in Quarantäne. Zum Glück für die deutsche Equipe war mit Lasse Schmitt ein weiteres Ass des Königsteiner LV für die Staffel nominiert worden. Der Langhürdenspezialist übernahm den Part von Okai Charles und machte seine Sache prima. Auch auf einer der Frauen-Positionen gab es einen kurzfristigen Wechsel. Lysann Helms (Hamburger SV) hatte beim Aufwärmen mit Fußproblemen zu kämpfen und wurde von Lena Leege (LAC Berlin) ersetzt. 

Nach den beiden Vorläufen stand das DLV-Quartett auf der vierten Position und den acht Finalisten, hatte mit 2,67 Sekunden jedoch schon einen etwas größeren Rückstand auf Team Jamaika. Aber gerade bei Staffeln kann unterwegs viel passieren, und auch die drei Wechsel sind immer mit einem gewissen Risiko behaftet. 

Startläufer Florian Kroll (VfL Osnabrück) übergab den Stab als Fünfter an Lena Leege (LAC Berlin), die auf ihrem Teilstück ein Platz verlor und auf Lasse Schmitt (Königsteiner LV) wechselte. Der hielt die sechste Postion und schickte Tessa Srumf (LAV Bayer Uerdingen-Dormagen) auf das letzte Teilstück. Tessa musste zunächst eine Läuferin aus Botswana ziehen lassen, konnte auf der Zielgeraden jedoch den sechsten Platz zurück erobern. Klar, dass man mit dem auf zwei Positionen umbesetzten Team in 3:24,34 Minuten nicht an den Rekordlauf aus der Vorrunde ran kam. Unter den gegebnen Umständen ist das finale Abschneiden jedoch aller Ehren wert. „Dadurch, dass wir so kurzfristig noch zweimal wechseln mussten, war es natürlich sehr schwierig. Lena und mir fehlt die Erfahrung des Vorlaufs, das merkt man dann. Ich denke, dass wir unter diesen Umständen mit dem Ergebnis insgesamt zufrieden sein können“, so Lasse Schmitt nach seiner WM-Premiere.

Das Team der USA holte sich mit neuem WM-Rekord von 3:17,69  Minuten den Titel, musste sich aber mächtig sputen. Denn mit lediglich winzigen 0,07 Sekunden Rückstand flogen die Läuferinnen und Läufen aus Indien (!!!) über die Ziellinie und verbesserten ihren Asienrekord aus der Vorrunde. Das Podium komplettierte Jamaika, die mit 3:19,98 Minuten ebenfalls noch unter 3:20 Minuten blieben. Um auf Platz vier zu kommen, hätte das deutsche Team den Rekord aus dem Vorlauf nochmals um 0,39 Sekunden steigern müssen. 

Es sollte irgendwie nicht sein. Im Vorfeld der globalen Titelkämpfe hatte Kai Hurych (KSV Fürth 09) den sechs Kilogramm schweren Hammer in vielen Wettkämpfen mit großer Regelmäßigkeit auf Weiten jenseits der 70 Meter befördert. Der vierfache deutsche Jugendmeister steigerte in dieser Saison seine Bestmarke auf starke 72,11 Meter und hatte sich laut seiner Aussage in der DLV-Teambroschüre die Endkampfteilnahme als Ziel gesetzt. Für den direkten Einzug ins Finale standen stramme 73,50 Meter im Protokoll. Das packten in der A-Gruppe drei Werfer. In der B-Gruppe, hier war auch Hurych mit dabei, hakten vier weitere Techniker diese Weite ab. Somit blieben noch fünf Plätze übrig, mit denen das Zwölferfeld aufgefüllt wurde. Kai legte mit 69,36 Metern los, hatte dann einen guten Versuch, der aber ungültig gegeben wurde. Im dritten Durchgang folgte dann eine leichte Steigerung auf 69,86 Meter (Platz 10 in der B-Gruppe bzw. 17. Gesamtwertung). Das war jedoch zu wenig. Das letzte Final-Ticket schnappte sich der Türke Emre Ciftci, der seinen Hammer auf 71,35 Meter beförderte.  

„Es wollte heute nicht klappen. Aber so ist das nun mal jetzt. Beim Einwerfen hatte es noch ganz gut ausgesehen, es ist schon ärgerlich. Grundsätzlich war es aber toll, Deutschland hier als einziger Hammerwerfer vertreten zu dürfen - das kann auch nicht jeder von sich behaupten“, so der 19-Jährige Techniker aus dem Odenwald.