HLV-Athletin Melat Kejeta (Laufteam Kassel) wird Vizeweltmeisterin im Halbmarathon und führt deutsche Mannschaft zu WM-Bronze
  18.10.2020 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Was für ein Rennen. Die Halbmarathon-Weltmeisterschaft im polnischen Gdynia endete mit zwei echten Knallern. Da wäre natürlich der neue Weltrekord (in einem reinen Frauenlauf) von Peres Jepchirchir (KEN), die sich mit 1:05:16 Stunden den Sieg und die WR-Prämie in Höhe von 55.000 US-Dollar sicherte.

Die eigentliche Sensation war aber Überraschungs-Coup von Melat Kejeta. Die Athletin im Trikot vom Laufteam Kassel wuchs in einem hochklassigen Rennen über sich hinaus und holte sich bei ihrem ersten Start für den DLV die Vizeweltmeisterschaft. Doch damit nicht genug. Mit ihrer Top-Zeit von 1:05:18 Stunden den alten deutschen Rekord von Uta Pippig, der seit 25 Jahren Bestand hatte und bei flotten 1:07:58 std. notierte. Das Sahnehäubchen war dann noch, dass die Nordhessin nun Inhaberin des Europarekordes (für reine Frauenrennen) ist. Die bisherige Marke wurde seit 2008 von der Holländerin Lornah Kiplagat mit 1:05:25 Stunden gehalten.

Sensationell dann auch der dritte Platz in der Teamwertung für die deutschen Langstrecklerinnen. Den Grundstein legte hier natürlich die 28-Jährige Melat Kejeta, die in Kassel vom ehemaligen Marathon-Bundestrainer Winfried Aufenanger betreut wird. Das erfolgreiche Trio komplettierten Laura Hottenrott (TV Wattenscheid/1:10:49 std.) sowie Rabea Schöneborn (LG Nord Berlin/1:12:35 std.). Zur deutschen Mannschaft gehörten auch noch Deborah Schöneborn (LG Nord Berlin/1:12:39 std.) sowie Fabienne Königstein (MTG Mannheim/1:17:03 std.).

„Ich bin sehr, sehr glücklich und freue mich über diese gute Leistung. Klar, ich wollte mein Bestes geben, aber mit diesem Ergebnis hätte ich nicht gerechnet", freute sich Kejeta, die in Äthiopien geboren wurde und seit März 2019 einen deutschen Pass hat. Für die „Neu-Hessin“ war das Rennen an der polnischen Ostsee-Küste auch ein großer Zahltag. Neben 15.000,- US Dollar für die Vizeweltmeisterschaft, gab es noch insgesamt 9.000,- US Dollar für die Bronze-Medaille in der Team-Wertung. Die Top-Platzierung im „Einzel“ war übrigens das erste Edelmetall für eine europäische Athletin bei Halbmarathon-Weltmeisterschaften seit 2008.

„1:05:18 Stunde, das ist eine Hausnummer und absolute Weltspitze. Besser hätte es gar nicht laufen können. Ich fand vor allem den Mut beeindruckend, von Anfang an dieses hohe Tempo mitzugehen. Hut ab, sie hat alles richtig gemacht“, so Marathon-Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig in ihrem Fazit gegenüber dem Portal leichtathletik.de

Dass der an einigen Stellen Kurs mit scharfen Kurven durchaus seine Tücken hatte, bekamen durch Stürze gleich drei Spitzenathletinnen zu spüren. Darunter auch Titelverteidigerin Netsanet Gudeta (ETH), die ungefähr bei Kilometer zehn auf den Asphalt krachte, sich schnell wieder aufrappelte, aber nicht mehr an die enteilte Spitzengruppe anlaufen konnte. Trotz recht frischer Temperaturen, das Thermometer hatte sich im einstelligen Bereich eingependelt, und zeitweise kräftigem Wind von der See, gab es quasi unterwegs noch eine weitere deutsche Jahresbestzeit. Bei der 10-Kilometer-Zwischenzeit zeigte die Stoppuhr für Kejeta hervorragende 30:47 Minuten an, womit die Irina Mikitenko ihre Bestmarke aus dem Jahr 2008 los war.


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