Hessische Trainerpersönlichkeiten im Interview - Folge 1: Lars Wörner, TV Wetzlar
  10.06.2021 •     HLV , Breitensport , Trainerportrait , Magazin


Als olympische Kernsportart Nummer eins wird sie immer bezeichnet – die Leichtathletik. Dennoch ist Leichtathletik auch heute noch vorrangig eine Amateursportart, die dank ehrenamtlich geführter Sportvereine mit Leben gefüllt wird. Und viele ehrenamtliche Enthusiasten helfen auch in Hessen täglich mit, die Leichtathletik in diesen besonderen Zeiten am Leben zu halten. Grund genug für den HLV, einige der Persönlichkeiten, die die hessische Leichtathletik mit ihrem Engagement seit vielen Jahren und Jahrzehnten prägen, etwas genauer vorzustellen.

Schon vor gut einem Jahr hat uns Lars Wörner Einblicke in seinen Trainingsalltag unter Coronabedingungen gegeben. Ein Jahr später zieht der stellvertretende Abteilungsleiter Leichtathletik des TV Wetzlar erneut eine Zwischenbilanz.

Vor einem Jahr gehörten Sie, Herr Wörner, mit Ihrem Team des TV Wetzlar zu den allerersten Vereinen, die bereit waren, am 4. Juli 2020 ein Leichtathletik-Sportfest unter Coronabedingungen zu organisieren. Damals kamen Top-Athletinnen und -Athleten aus ganz Deutschland ins städtische Stadion von Wetzlar. Planen Sie für dieses Jahr erneut Wettkämpfe?

Ja, tatsächlich planen wir auch in diesem Jahr einen Wettkampf. Ursprünglich hätten es sogar – wie in der Zeit vor der Pandemie – zwei bis drei Meetings werden sollen. Jetzt steht zunächst einmal das Wetzlarer Hürdenmeeting am 12. Juni an. Gerade die Hürdenläuferinnen und Hürdenläufer haben im letzten Jahr eine äußerst positive Resonanz zu unserem Einladungswettkampf gegeben. Auch in diesem Jahr wollten wir der Disziplingruppe Kurz- und Langhürden wieder eine Bühne geben. Viele Veranstalter haben die Hürden nur als Randdisziplin im Programm. Wir wollten die Disziplinen daher bewusst in den Mittelpunkt stellen. Auch unsere eigenen Athleten haben so die Möglichkeit, sich zum Saisonbeginn im „eigenen“ Wetzlarer enwag-Stadion zu präsentieren. Wichtig war uns, bei der Terminierung einen Zeitpunkt zu finden, der gerade für den Nachwuchs eine Möglichkeit bietet, etwaige DM-Normen (U23/U20/U18) noch erfüllen zu können.

Welche Besonderheiten sind im Jahr 2021 bei der Ausrichtung von Wettkämpfen zu beachten?

Ähnlich wie im letzten Jahr galt es, das Pandemiegeschehen zu beobachten und anhand der geltenden Vorgaben ein Wettkampfkonzept zu entwickeln. Aus diesem Grund war es schwierig, das Meeting von langer Hand zu planen. Vor knapp drei Wochen war der Lahn-Dill-Kreis noch in der Bundesnotbremse, da haben wir uns auf ein Meeting für Kadersportler vorbereitet. Mittlerweile sind im Kreis die Inzidenzen so niedrig, dass wir bereits in Stufe 2 des hessischen Zwei-Stufenplanes sind. Dementsprechend konnten wir das Teilnehmerfeld erweitern. An der Stelle möchte ich mich ausdrücklich für die tatkräftige Unterstützung von Verbandsseite durch Carsten Ebert, Gudrun Rouhi und Victoria Münch während der Planungsphase bedanken.

Wie viele Personen brauchen Sie für die Realisierung eines solchen Sportfestes? Und welche Unterstützung benötigen und erhalten Sie von der Stadt Wetzlar?

Wir sind beim TV Wetzlar ein eingespieltes Team. Aus diesem Grund läuft im Vorfeld alles aus einem Guss. Andreas Dietl, Andreas Hein und ich haben die Planung sehr schnell auf den Weg bringen können. Für den Wettkampftag können wir uns auf unser wettkampferprobtes Team mit Thomas Oel (Zielauswertung), Torben Pfaff (Wettkampfbüro), Arnd Pauker (Starter) und Joachim Gericke (Schiedsrichter) verlassen. Zudem haben wir für den Bereich der Einlasskontrolle, Stellplatz etc. aus unseren Reihen etwa noch acht weitere Helfer.

Die Frage bezüglich der Unterstützung der Stadt Wetzlar ist mit einem Wort zu beantworten: Sensationell. Mit Sportamtsleiter Wendelin Müller und seinem Stellvertreter Sven Lehne hat die Stadt Wetzlar zwei Top-Männer an der richtigen Stelle. Sie haben stets ein offenes Ohr und unterstützen den TV Wetzlar in allen Belangen. Hilfe haben wir daher auch immer bei der Umsetzung der pandemiebedingten Trainings- und Wettkampfvorgaben erhalten. Der Informationsaustausch ist unglaublich gut. Das Stadion wird für unser Meeting bestens vorbereitet, Geräte stehen bereit, und wenn es sonst noch irgendetwas gäbe, finden wir im gemeinsamen Dialog immer eine Lösung. Es ist schön zu wissen, sich auf die Rückendeckung der Stadt verlassen zu können.

Vor gut einem Jahr haben Sie uns geschildert, mit welch hohem Aufwand und welcher Kreativität Sie den Trainingsbetrieb ihrer Trainingsgruppe aufrechterhalten haben. Im Herbst letzten Jahres gab es nun nochmals einen Lockdown mit noch stärkeren Einschränkungen für den Trainingsbetrieb der hessischen Leichtathletik-Vereine. Wie sind Sie durch die letzten Monate gekommen und wie schätzen Sie das aktuelle Leistungsniveau Ihrer Trainingsgruppe ein?

Ja, das ist richtig. Auch der Lockdown seit Dezember 2020 hat sicherlich allen Leichtathleten wieder einiges abverlangt. Im Gegensatz zum letzten Jahr hatten wir diesmal jedoch einen großen Vorteil. Wir durften als „Freiluftsportler“ das Stadion nutzen und mussten nicht auf Feldwege und Wälder ausweichen. Auch wenn es kein gemeinsames Training mit der Trainingsgruppe geben konnte, hatte jeder Athlet die Möglichkeit, Trainingseinheiten im Einzeltraining auf der Bahn zu absolvieren. Unter Berücksichtigung der pandemiebedingten Einschränkungen hat meine Trainingsgruppe aus meiner Sicht eine sehr gute Vorbereitung durchlaufen. Sowohl die Langhürdenläufer/-innen als auch die beiden „Kurzhürdler“ haben im Einzeltraining sowohl physisch als auch technisch gute Fortschritte gemacht. Jetzt gilt es, dieses auch noch im Wettkampf unter Beweis zu stellen.

Welche Funktion bzw. Funktionen übernehmen Sie innerhalb der Leichtathleten des TV Wetzlar?

Neben meiner Trainertätigkeit bekleide ich den Posten des stellvertretenden Abteilungsleiters und bin hier insbesondere für die Nachwuchsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und das Wettkampfgeschehen zuständig.

Wie sind Sie eigentlich zur Leichtathletik gekommen?

Das ist ganz einfach: Ich hatte keine andere Chance. Mein Onkel ist Hilmar Schwesig. Er gilt als „Mr. Leichtathletik“ des Leichtathletikkreises Wetzlar und hat hier sehr viel bewegt. Unsere Familien wohnen schon immer direkt nebeneinander in Albshausen. Von daher war es von Anfang an klar, dass ich gemeinsam mit meinem ein Jahr älteren Cousin Mark Schwesig direkt aus dem Kindergarten ins Wetzlarer Stadion rüber bin. Dort sind wir beide immer noch.

Welchen Beruf üben Sie aus, wenn Sie gerade nicht auf einer Laufbahn Trainingsanweisungen geben?

Ich bin Sport- und Mathematiklehrer und zudem noch stellvertretender Schulleiter an einer integrierten Gesamtschule.

Wie lässt sich dieser Beruf mit Ihrem sehr zeitintensiven „Hobby“, der Leichtathletik, verbinden?

Das frage ich mich manchmal auch. Das Ganze funktioniert aber auch nur mit einer tollen Familie im Rücken. Meine Söhne betreiben selbst Leichtathletik und meine Frau kommt aus dem Leistungssport und unterstützt mich. Zudem haben wir in Wetzlar ein zuverlässiges und unterstützendes Team.

Welche Ziele haben Sie für Ihre Trainingsgruppe für diese Saison?

Ganz klar stehen auch in diesem Jahr die Deutschen Jugendmeisterschaften in Rostock im Fokus. Es wäre wünschenswert, wenn meine Athleten/-innen neben der Normerfüllung auch den Sprung ins begrenzte Teilnehmerfeld schaffen und wir den TV Wetzlar mit einer schlagkräftigen Truppe in der Hansestadt vertreten können.

Und welche Visionen möchten Sie gemeinsam mit Ihrem Team des TV Wetzlar in Zukunft verwirklichen?

Der TV Wetzlar hat sich in den letzten Jahren als feste Größe im Nachwuchsbereich Hessens etabliert. Neben den Mittelstrecken ist auch der Hürdensprint (Kurz- und Langhürde) in den letzten Jahren in den Mittelpunkt gerückt. Gerade im Bereich der Hürden möchten wir mittelfristig eine Adresse für Talente werden und diese in ihrer Entwicklung unterstützen. Gemeinsam mit dem Hessischen Leichtathletik-Verband haben wir bereits im letzten Jahr ein regelmäßiges Stützpunkttraining für die Hürden in Wetzlar angeboten. Ich könnte mir gut vorstellen, dieses Projekt „Stützpunkt Hürden“ in Zusammenarbeit mit dem Bundesstützpunkt Frankfurt und dem HLV weiter auszubauen und zu optimieren.