Der „krasse“ Kevin - mit neuer Bestzeit den deutschen 60-Meter-Hallenrekord eingestellt. Georg Fleischhauer Vizemeister über die 60-Meter-Hürden
  21.02.2021 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Dass Kevin Kranz richtig gut drauf ist, zeigte er mit einer tollen Vorstellung im zweiten Vorlauf. Der Favorit vom Sprintteam Wetzlar kam gut aus dem Block, beschleunigte eindrucksvoll und musste am Ende seine Karten noch nicht komplett aufdecken. Mit starken 6,55 Sekunden verbesserte Kranz seinen Hausrekord um 0,01 Sekunden, unterbot einmal mehr die EM-Norm für Torun und hängte Marvin Schulte (SC DHfK Leipzig/6,70 sec.) locker ab. Steven Müller (LG OVAG Friedberg-Fauerbach), hatte als 200-Meter-Spezialist, erwartungsgemäß (7. In 6,94 sec.) mit dem Ausgang des Rennens zu tun. Im ersten Vorlauf musste Michael Pohl (ebenfalls Sprintteam Wetzlar) ran. Er lief das Rennen als Sieger nach Hause und hatte damit das große „Q“ für die nächste Runde hinter seinem Namen stehen. Obwohl Pohl mit 6,63 Sekunden seine Bestmarke einstellte und damit genau die georderte Zeit für Torun lief, sah er nicht rundum zufrieden aus. Das hessische Quartett komplettierte im dritten Vorlauf Elias Goer (Sprintteam), der mit 6,86 Sekunden (6.) nicht ganz an sein normales Leistungsniveau rankam.

Im Finale knallte es dann so richtig. Auch hier gelang Kranz ein blitzsauberer Start und zeigte der Konkurrenz die Hacken. Der Sturmlauf endete nach 6,52 Sekunden mit der Einstellung des deutschen Hallenrekordes aus dem Jahr 2016 von Julian Reus (damals Wattenscheid), der für Dortmund auch in der Meldeliste stand, aber nicht antrat. Der 22Jährige „Youngster“ Kranz stürmte mit seiner Top-Zeit an die Spitze der europäischen Bestenliste, die bisher von dem Italiener Lamont Marcell Jacobs (6,53 sec.) angeführt wurde. Die EM in Torun kann also kommen. Als Zweiter knackte Julian Wagner (LC Top-Team Thüringen) mit dem neuen Hausrekord von 6,59 Sekunden erneut die EM-Norm. Michael Pohl (Sprintteam) holte sich mit der neuen PB von 6,60 Sekunden die Bronzemedaille und kann nun auch für die kontinentalen Titelkämpfe planen.

„Mit der Zeit habe ich absolut nicht gerechnet. Ich habe damit gerechnet, dass es schneller wird als die letzten Wettkämpfe, aber nicht mit dieser Zeit. Meine letzten Rennen waren nicht so gut. Ich hatte ein paar Probleme mit dem Beuger und der Kniekehle. Über diese Verletzung haben wir drüber trainiert, ich musste ein paar Läufe unter Schmerzen machen, dann ging es wieder. Mit dieser Zeit kann ich mit viel mehr Selbstbewusstsein zu den Hallen-Europameisterschaften fahren. Ich denke, wenn ich nicht wieder einen Fehlstart produziere oder stolpere, kann es auf jeden Fall auch schnell werden. Ich fand es heute cooler, den Titel zurückzuholen als zu verteidigen, ansonsten ist es mir eigentlich egal, ob ich der Favorit bin. Auf europäischer Ebene ist die Konkurrenz sehr stark, deswegen darf man sich auf keinen Fall zu früh freuen. Ich gebe dort mein Bestes und dann werde ich sehen, wofür es reicht. In der Freiluftsaison soll es über 100 Meter jetzt auch deutlich schneller werden. Ich habe auch in der Saison, als ich meine Bestzeit gelaufen bin, eigentlich mehr drauf gehabt als die 10,24 Sekunden. Es muss schon eine 10,15 Sekunden werden oder sogar noch schneller“, verriet der Schützling von HLV-Coach David Correll in einen Flash-Interview.

Michael Pohl sagte nach dem Endlauf: „Natürlich bin ich sehr zufrieden, aber es ist immer so knapp, und eine Zeit von 6,60 Sekunden ist etwas nervig, weil man sozusagen die magische Marke nicht unterschritten hat. Aber ich habe mich tapfer geschlagen und bis zum Ende war es sehr knapp. Philipp Corucle war sehr, sehr stark. Deswegen ist es perfekt, was ich heute abgeliefert habe. Bei der Hallen-EM ist mein Ziel das Finale“

Im ersten von drei Vorläufen bei den Frauen zog Rebecca Haase (Sprintteam) als Zweite hinter Amelie-Sophie Lederer (LG Stadtwerke München/PB mit 7,20 sec.) sicher in den Endlauf ein und knackte zum Auftakt mit 7,25 Sekunden fast ihre SB (7,24 sec.). Ihre Teamkollegin Lara Tornow musste als Sechste mit 7,60 Sekunden zufrieden sein. Lisa Mayer (auch Sprintteam) machte als Siegerin des zweiten Vorlaufes mit 7,29 Sekunden die Finalteilnahme klar. Ihre Vereinskollegin Antiona Dellert, sie gehört noch der Jugendklasse U20 an, machte in der Helmut-Körnig-Halle alles richtig. Sie stellte als Vierte in 7,37 Sekunden eine neue Bestzeit auf und konnte zufrieden die Heimreise antreten.

Ähnlich wie bei den Männern sollte das Finale dann zu einem echten Kracher werden, was vier neue Bestmarken und gleich sechs (!) geknackte EM-Normen eindrucksvoll belegen. An der Spitze landete Amelie-Sophie Lederer (LG Stadtwerke München) in ganz starken 7,12 Sekunden einen Titel-Coup. Damit ist die Läuferin aus der Isar-Metropole auch in Europa ganz oben angekommen und rangiert mit ihren neuen Bestmarke hinter Dina Asher-Smith (GBR/7,08 sec.) in Europa auf dem dritten Platz. Die Britin hat jedoch die Hallensaison bereits beendet. Somit hat Lederer momentan nur die Polin Ewa Swoboda vor sich, die gestern bei den Landesmeisterschaften 7,10 Sekunden ablieferte. Jennifer Montag (TSV Bayer 04 Leverkusen) und Yasmin Kwadwo (LC Paderborn) flogen beide mit 7,19 Sekunden über die Ziellinie. Nach Auswertung des Einlaufes wurde die Sprinterin aus der Farbenstadt auf den zweiten Platz gesetzt. Beide konnten neue Bestzeiten bejubeln und untermauerten ihren Anspruch auf ein EM-Ticket, für das von DLV-Seite 7,25 Sekunden nötig waren. Auf dem undankbaren vieren Platz landete Rebekka Haase (Sprintteam). Ihre neue Saisonbestmarke von 7,20 Sekunden war da sicherlich nur ein schwacher Trost. Teamkollegin Lisa Mayer lief als Fünfte 7,23 Sekunden und kam damit in Reichweite ihrer 7,21 Sekunden vom Ende Januar. Ob die beiden Hessinnen mit der EM planen können ist eher fraglich. Nach dem furiosen Meisterschafts-Finale haben gibt es aktuell gleich sieben Sprinterinnen mit der EM-Norm (7,25 sec.) Haase ist in diesem Ranking Fünfte, Mayer Sechste. Das wird ganz schwierig, da beide Läuferinnen nicht den „Bonus“ einer DM-Medaille vorweisen können.

Georg Fleischhauer war einer der ältesten Starter über die 60 Meter Hürden. Das störte den 32Jährigen im Trikot von Eintracht Frankfurt jedoch nicht, im zweiten Vorlauf mit 7,89 Sekunden seine Bestmarke einzustellen und hinter dem Favoriten Erik Balnuweit (TV Wattenscheid/7,83 sec.) locker ins Finale einzuziehen. Hier sollte es noch besser kommen. Fleischhauer, der früher im Freien erfolgreich auf der Langhürdendistanz unterwegs war und seit einiger Zeit auch als Anschieber im Bobsport agiert, arbeitete sich gegen Ende des Rennens noch weiter nach vorne und konnte am Ende DM-Silber bejubeln. Mit tollen 7,77 Sekunden verbesserte der Eintrachtler seine Bestzeit gleich um satte 0,12 Sekunden. Sieger Erik Balnuweit (TV Wattenscheid) tütete mit 7,70 Sekunden seinen bereits achten DM-Titel unter dem Hallendach ein und bestätigte seine EM-Ambitionen.

„Ich bin Bestzeit gelaufen und habe mich noch etwas mehr gesteigert als über die restliche Saison. Dieser Lauf war der erste, der wieder in die richtige Richtung ging. Ich war seit November verletzt und habe erst Ende Januar wieder Vollgas geben könnend hatte damit nur vier Wochen Hürdentraining. Ich hätte gerne die 7,70 Sekunden und die Norm für die Hallen-Europameisterschaften geschafft. Ob ich im Sommer Hürden laufe, weiß ich noch nicht. Für diesen Winter hatte ich auch noch eine Bobsaison geplant, was aufgrund der Verletzung nicht möglich war. Im Grunde ist das vorrangige Ziel die Olympischen Winterspiele im nächsten Jahr in Peking“, so Fleischhauer im DLV-Interview.

Nicht richtig in Fahrt kam Miriam Sinning (Eintracht Frankfurt) über die 60 Meter Hürden und blieb als Siebte mit 8,75 Sekunden klar über ihrer Saisonbestmarke von 8,59 Sekunden.

 

Hier das Sieger-Interview von Kevin Kranz sowie sein Finalrennen (Quelle: leichtathletik.de)